Anette Rose, Captured Motion Setfoto #4

Techno Textiles

June 5 – July 11, 2021

Die Ausstellung Anette Rose Techno Textiles läuft parallel zum Online Filmprogramm KINO SIEMENSSTADT – Der Komplex Arbeit im Projektraum SCHARAUN.

Die Installation Techno Textiles spielt auf den Takt der Maschinen an und auf geflochtene High-Tech Texturen. Zu sehen sind Anette Roses Aufzeichnungen der Bewegungsabläufe komplexer Maschinen des Forschungslabors der RWTH Aachen: Mit Carbon- oder Glasfasern umwickelte Spulenbehälter eines Radialflechters laufen auf sinusförmigen Bahnen im Kreis. Der Beat der gegenläufig beförderten gelben und roten Spulen erinnert an einen mechanisierten Tanz. Der eingefangene Körperschall der rotierenden Spulen des Radialflechters gleicht dem Zunfttanz der Seiler. Wie Tänzer und Tänzerinnen im Takt drehend einen Maibaum umkreisen, so winden sich die Spulen umeinander und um die Achse des Rotors. Der Radialflechter des Forschungslabors zeigt sich so als automatisierte Umsetzung des traditionellen Maibaumflechtens. Die von der Maschine geflochtenen Crash-Absorber, die für die Automobilproduktion erprobt werden, fangen den Aufprall und schlucken den Beat. Anette Rose bezieht sich hier, wie auch im Titel der Ausstellung, auf den Takt der Maschinen, welche vor dem Hintergrund des Niedergangs der Automobilindustrie in Detroit, nicht nur Pate standen für die Erfindung von Techno, sondern durch die synthetische Musik auch in völlig neue Klangdimensionen gehoben wurden.

Mit der Installation Techno Textiles setzt Anette Rose ein komplexes Gefüge von historischen und gegenwärtigen Übersetzungsprozessen zwischen Körper- und Maschinentakt bei SCHARAUN in Szene. Sie greift motion studies der frühen Arbeitswissenschaft von Frank B. und Lillian Gilbreth auf und lenkt den Blick auf aktuelle hochtechnologisierte Forschungsmethoden, eingesetzt zur Kontrolle und Optimierung des Produktionsprozesses. In ihrem Werkzyklus Enzyklopädie der Handhabungen untersucht sie Entwicklungen industrieller Automatisierung, die unsere Arbeits- und Lebenswelten prägen. Seit 2006 filmt die Künstlerin Produktionsprozesse in Handwerksbetrieben, Fabriken und wissenschaftlichen Laboren. Sie arbeitet mit diversen Aufzeichnungsverfahren: Video, Motion-Capturing, Slow Motion, Fotografie, Diagrammen und Sound. Im Ausstellungsraum re-synchronisiert sie die gleichzeitig mit mehreren Kameras gefilmten Sequenzen und inszeniert so ihre Einblicke in die Arbeitswelt.


Eröffnung am Samstag, den 05. Juni von 14h bis 20h

Ausstellung : 05. Juni – 11. Juli 2021
Öffnungszeiten: Freitag 12h – 18h und nach Vereinbarung unter

Scharaun
Jungfernheideweg 4
13629 Berlin-Siemensstadt
U-Bhf Siemensdamm

Mit freundlicher Unterstützung von Stiftung Kunstfonds NEUSTART KULTUR


Scharaun wird im Rahmen der Basisförderung für Projekträume des Berliner Senats
für Kultur und Europa 2020/2021