Modul #11

Text

„Ist eigentlich das Gehirn eine Ausstülpung der Augen – und natürlich auch der Ohren – also eine Ausstülpung der Wahrnehmung, oder ist es umgekehrt?

Das Interessante an der Griffform ist, dass man den Hammer sehr weich fallen lassen kann. Das Abbremsen erfolgt über eine ziemliche Strecke, weil dieser Radius kontinuierlich enger wird, und in Verbindung mit der Höhlung der Innenhand bekommst du einen ziemlich langen Bremsweg. Das ist etwas, das in der Robotik eine ganz große Rolle spielt: das so genannte ‚ease in’ und ‚ease out’. Das heißt, dass Bewegungen keine kontinuierliche Geschwindigkeit haben, sondern langsam anfangen und langsam wieder aufhören, um in der Gegenrichtung dadurch oder komplementär dazu eine möglichst hohe Maximalgeschwindigkeit für den Zeitraum hinzubekommen, in dem dann ein möglichst großer Weg zurück gelegt wird, ohne harte Anfangs- und Endbeschleunigungen in Kauf nehmen zu müssen. Wenn das jetzt ungebremst durchschlagen würde bis zum Punkt des Werkzeugkontakts, gingen entweder das Werkstück, die Maschine oder beides kaputt. Dieser Vorgang ist hier in diesem Griff praktisch Materie geworden. Das Abbremsen des fallenden Hammers ist durch die gleitende Variation des Radius im Zusammenwirken von Werkzeug und Hand einprogrammiert. Eine ganz wesentliche Funktion der Hand ist, Gegenstände mit hohen Freiheitsgraden in viele mögliche Lagen und Kraftvermittlungen zu bringen. Dafür ist die Hand ideal wegen ihrer großen Reichweite, ihrer sehr hohen Beweglichkeit und vor allem wegen ihrer äußerst feinen Kraftrückkopplung…“

Heiner Büld

English Version

“Is the brain actually a protuberance of the eyes, and of 
the ears, too, of course, a protuberance of perception, then, or is it the other way around?

The interesting thing about the form of the handle is that you can let the hammer fall very softly. Breaking occurs over a rather long stretch, because this radius becomes continually tighter, and in connection with the hollow of your palm, you get a rather long braking path. That is something that plays a really big role in robotics, so-called ease in
and ease out. That means that movements do not have a constant speed, but rather begin slowly and then slowly stop so as to achieve the highest possible maximum speed in the opposite or complementary direction for a period of time in which a rather long path is taken without having to deal with extreme initial and ending acceleration. If it hammered through without braking to the point of contact with the tool, either the component or the machine or both would break. This process has become practical material here in this handle. The braking of the falling hammer has been programmed into it through the gliding variation of the radius in the collaboration of tool and hand…”

Heiner Büld

Modul #11. Interview #1
Heiner Büld
One-channel video, 5’33”, DVCAM, 4:3, stereo, loop, 2008